Beratungsbedarf steigt weiter

„Die Beratungsstelle wird in zunehmendem Maße von Multiproblemfamilien genutzt“, berichtet Diplom-Psychologin Ulrike Stender. Die Leiterin der „Evangelischen Beratungsstelle Duisburg-Moers für Familien-, Ehe-/Partnerschafts- und Lebensfragen, sowie Schwangerschaftskonfliktberatung“ erlebt gerade im Duisburger Norden vielfältig belastete und oft erziehungsunsichere Eltern, die ihre eigenen Probleme kaum bewältigen können. Die Kinder reagieren auf Armut und soziale Ausgrenzung mit Aggressivität und Gewaltbereitschaft, aber auch mit Resignation und Leistungsverweigerung. Die Zahl der Familien mit Migrationshintergrund und daraus resultierenden Problemen, die das Beratungsangebot nutzt, ist deutlich gestiegen.„Erschreckend“ nennt Frau Stender die erneut gestiegenen Wartezeiten auf ein Erstgespräch in der Beratungsstelle. 42 Prozent der Klienten warten bis zu zwei Monaten und mehr auf einen Erstkontakt. Die Berater stoßen auf immer mehr „Krisenfälle“, die sie vorziehen müssen. Es gab bereits Aufnahmestopps und Weiterleitung an andre Beratungsstellen oder Praxen.

Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe

Der Schwerpunkt der Arbeit richtet sich auf die Kinder- und Jugendhilfe und betont damit die Erziehungs- und Familienberatung. Wegen der Brisanz vieler Fälle wurde in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt ein Konzept zur „Erziehungsberatung in 24 Stunden“ entwickelt, dass eine zusätzliche Planstelle für diesen Bereich vorsah. Eine Entscheidung der Stadt Duisburg steht aus.
Verstärkt nehmen die Familienzentren, zu denen sieben der in evangelischer Trägerschaft stehenden Kindertagesstätten ausgebaut wurden, die Beratungsangebote der Mitarbeiter mit Sprechstunden vor Ort in Anspruch. Dadurch betraf ein Viertel der Beratungen Erziehungsfragen von unter sechs Jahre alten Kindern. „Grundsätzlich begrüßt die Beratungsstelle die erhöhte Aufmerksamkeit der Familienpolitik für ‚junge’ Familien, erklärt die Psychologin. Probleme und steigenden Beratungsbedarf gebe es jedoch weiterhin auch bei Eltern mit Kindern jenseits des Vorschulalters. „Die Beratungsstelle kann dieses Dilemma aus eigenen Kräften nicht lösen“, sagte Frau Stender, „eine jugend- und familienpolitisch angemessene Antwort wäre die Verstärkung der personellen Kapazitäten der Beratungsstelle.“

Neue Gesetze

Zusätzliche Anforderungen an die Beratungsstelle ergeben sich durch neue Gesetze in Familiengerichtsverfahren. In Fällen problematischer Scheidungen kann Beratung angeordnet werden. „Das ist alles wichtig, aber was tut Politik, um das vernünftig umsetzen zu können?“, fragt de Psychologin. Hilfen müssten längerfristig angelegt und finanziert werden, um nachhaltig zu wirken.
In der Schwangerschaftskonfliktberatung haben sich die Fallzahlen um 18 Prozent auf 957 erhöht. Davon erhielten 473 Frauen eine einmalige finanzielle Hilfe. „Diese Zahlungen bedeuten eine Ermutigung, aber sie können nur eine Starthilfe sein.“

Außensprechstunden in Hochfeld wieder aufgenommen

Die Duisburg-Moerser Beratungsstelle hat kürzlich ihre Außensprechstunden in Hochfeld wieder aufgenommen, und zwar im Bethesda-Krankenhaus in Verbindung mit der dortigen Frauenklinik und der Krankenhausseelsorge. Das Angebot wird gut angenommen.
Auch in der Schwangerschaftsberatung weiten sich die Anforderungen aus, nachdem Ärzte gehalten sind, Paare nach einem auffälligen Befund in der vorgeburtlichen Diagnose an eine psychosoziale Beratung zu vermitteln.
Angesichts stetig weiter steigender Anforderungen an das Beratungsteam appelliert die leitende Psychologin an Land, Kommune und Träger, durch verlässliche, längerfristig angelegte finanzielle Grundlagen Planungssicherheit für die Arbeit zu geben.

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